Bargeldloser Zahlungsverkehr: Wie bezahlen wir in der Zukunft?

Von: Daniel Kupka

Zuletzt aktualisiert: 28. Mai 2020

Der Traum der jungen Generation: eine Welt ganz ohne Bargeld. Dieser hält jedoch meistens nur bis zum nächsten Einkauf beim Bäcker oder beim Kiosk um die Ecke. Dort wird man schnell zurück auf den Boden der Tatsachen geholt und es wird deutlich, dass Bargeld wohl noch für viele weitere Jahre (oder eher: Jahrzehnte) zum Alltag in Deutschland gehören wird. Auch wenn wir uns in vielen Bereichen sehr fortschrittlich zeigen, wird es vermutlich noch etwas dauern, bis wir ähnliche bargeldlose Pläne schmieden, wie es unter anderem bereits in Schweden der Fall ist.

Zusätzlich zum klassischen Bargeld prägen mittlerweile auch kontaktlose Bankkarten und das Bezahlen via Handy das Bild im Supermarkt. Daher stellt sich die Frage: Welche Neuerungen könnten es in den nächsten Jahren noch geben?

1. Erweiterung der Handy-Bezahlung (Mobile Payment)

Zwar findet das Bezahlen mit dem Handy durch Dienste wie Apple Pay oder Google Pay mittlerweile auch in die Deutschland immer mehr Zuspruch, bisher sind diese Methoden aber oft noch an Einschränkungen gebunden. Besonders im Fall von Apples Bezahldienst besteht bisher noch keine flächendeckende Zusammenarbeit mit allen deutschen Banken und es wird in jedem Fall eine Kreditkarte benötigt, um den Dienst überhaupt nutzen zu können. Eine Lösung zeigen unter anderem Kreditanbieter wie Kredu auf: Hier werden keine klassischen Kreditkarten genutzt, sondern virtuelle Varianten. Diese funktionieren an sich wie eine normale Kreditkarte, sind jedoch speziell auf das Bezahlen online ausgerichtet und lassen sich auch problemlos in alle gängigen Handy-Bezahldienste integrieren.

Dass es auch ganz anders gehen kann, macht unter anderem China vor: Dort lässt sich die beliebte Social-Media-App “WeChat” direkt mit dem Bankkonto verknüpfen und so sowohl online als auch in Geschäften zum schnellen und einfachen Bezahlen nutzen. “WhatsApp” – das “WeChat”-Pendant auf dem amerikanischen und europäischen Markt – könnte wohl noch in diesem Jahr auf die zunehmende Nachfrage reagieren und eine ähnliche Funktion anbieten. Das Problem: “WhatsApp” ist seit 2014 Teil der Facebook Inc. und die Ereignisse der vergangenen Jahre haben gezeigt, dass persönliche (Zahlungs-)Daten an beinahe jedem Ort besser aufgehoben sind, als bei Facebook & Co..

2. Bezahlen mit Krypto-Währungen

Der große Bitcoin-Hype erfährt durch die Corona-Krise seinen zweiten Frühling und hat in den vergangenen Jahren bereits eindrucksvoll gezeigt, dass dem Modell Krypto-Währung wohl eine rosige Zukunft blüht. Online dürfte fast jeder von uns schon mal von einer “mit Bitcoin bezahlen”-Option überrascht worden sein und auf der internationalen Bühne hat sich unter anderem Starbucks als Vorreiter präsentiert.

Als gängige Zahlungsmethode haben sich aber weder Bitcoin noch andere Krypto-Währungen bisher positionieren können. Die Vorteile sind klar: Die Blockchain-Methode sorgt für zusätzliche Sicherheit und würde dem heutigen Zahlungsverkehr ein bisschen Anonymität zurückgeben. Das Bezahlen mit Krypto-Währungen stellt in gewisser Weise also den Gegenentwurf zu den Plänen von Facebook, WhatsApp & Co. dar – könnte man denken. Facebook möchte noch 2020 die eigene Kryptowährung namens “Libra” an den Start bringen. Das Projekt wurde groß angekündigt und durfte sich über prominente Unterstützung freuen – mittlerweile haben aber unter anderem PayPal, Visa, Mastercard und eBay angekündigt, sich aus dem gemeinsamen Vorhaben zurückzuziehen.

Damit Krypto-Währungen auch auf dem deutschen Markt eine Rolle spielen, muss vermutlich einfach nur mehr Zeit vergehen. Der Bitcoin-Hype war für viele Menschen von außen nicht nachvollziehbar – wenn die Thematik Krypto-Währung mehr Bereiche des Alltags beeinflusst und die Vorteile für mehr Menschen ersichtlich werden, könnte das Bezahlen mit den Blockchain-Währungen in einigen Jahren auch in Deutschland ganz normal werden.

3. Drittanbieter als Gewinner

Unwahrscheinlich, aber möglich: Ein Drittanbieter nutzt die langsame Entwicklung in Deutschland aus und positioniert sich rechtzeitig mit einer guten Idee auf dem Markt. Wie das funktionieren könnte, hat der Anbieter “Alipay” in China gezeigt. In der App wird das Bankkonto hinterlegt und in den Geschäftigen gibt es Terminals, die Alipay unterstützen oder solche, die ausschließlich für die Zahlung mit Alipay gedacht sind. Der Dienst funktioniert damit ganz ähnlich wie Apple Pay, Google Pay oder auch WeChat. Profitiert hat er vor allem dadurch, dass es kaum Einstiegshürden (z. B. Kreditkarte als Voraussetzung) gab, er von Anfang in einem Großteil der Geschäfte akzeptiert wurde und sich frühzeitig auf dem Markt positioniert hat. Alipay findet man in Deutschland bisher nur an einigen Orten mit besonders hohem Touristenaufkommen – der Erfolg in China zeigt aber, dass ein ähnliches Prinzip wohl auch auf dem europäischen bzw. deutschen Markt funktionieren könnte.

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